Bodengrund und Klima #
Skolopender bewohnen je nach Art unterschiedlich feuchte oder trockene Böden. Daher ist es wichtig, den Bodengrund im Terrarium so zu wählen, dass er sowohl Feuchtigkeit speichert als auch gute Grabbedingungen bietet. Viele Skolopender vergraben sich im Substrat, um sich zu verstecken oder ihre Eier abzulegen. Die Substrathöhe sollte mindestens das Doppelte der Körperbreite des Tieres betragen. Es gibt keine feste Obergrenze für die Höhe, jedoch sollte der Abstand zur Terrarienkante beachtet werden, um Ausbrüche zu vermeiden. Ob eine hohe oder niedrige Substratschicht besser ist, wird oft diskutiert.
Vorteile einer hohen Substratschicht:
- Weniger Störung für Tiere, die sich häuten oder brüten.
- Längere Zeiträume mit stabilen Feuchtigkeitsbedingungen.
- Bietet mehr Versteckmöglichkeiten und fördert natürliche Verhaltensweisen.
Vorteile einer niedrigen Substratschicht:
- Bessere Sichtbarkeit und Kontrolle des Tieres, besonders bei Arten, die erhöhte Aufmerksamkeit erfordern.
- Geringere Gefahr von Staunässe, da der Boden schneller abtrocknen kann.
- Erleichtert das Überwachen des Tieres, ohne das Substrat ständig zu verändern.
Die optimale Substrathöhe richtet sich auch nach den spezifischen Bedürfnissen der jeweiligen Art. Scolopendra alternans und Scolopendra gracillima verbringen viel Zeit eingegraben im Boden und profitieren von einer dicken Substratschicht. Scolopendra subcrustalis hingegen lebt hauptsächlich arboreal und versteckt sich bevorzugt in Totholz, sodass die Substrathöhe hier keine große Rolle spielt.
Bodengrund #
Ein gut geeignetes Substrat für die meisten Skolopender besteht aus einer Mischung aus Torf (75%) und Sand (25%). Diese Kombination bietet eine gute Balance zwischen Feuchtigkeitsspeicherung, Grabfähigkeit und Stabilität.
- Torf sorgt für eine lockere Struktur, speichert Feuchtigkeit und fördert ein stabiles Mikroklima.
- Sand lockert das Substrat auf, verbessert die Wasserleitfähigkeit und verhindert, dass der Boden zu stark verdichtet.
Diese Mischung eignet sich für viele Arten und kann je nach Herkunft des Tieres angepasst werden. In trockeneren Habitaten kann der Sandanteil erhöht werden, während für Arten aus feuchteren Regionen ein höherer Anteil an Torf oder anderen organischen Bestandteilen sinnvoll ist. Zusätzlich können weitere Substrate hinzugefügt werden, um die Eigenschaften des Bodengrunds besser an die Bedürfnisse der Tiere anzupassen:
- Sphagnum-Moos verbessert die Wasserspeicherung und sorgt für ein feuchteres Mikroklima.
- Walderde und Lehm erhöhen die Grabfähigkeit und sorgen dafür, dass Gänge und angelegte Kammern stabil bleiben.
Zusätzlich zum Substrat kann es sinnvoll sein, Laub auszulegen. Es hilft, die Feuchtigkeit im Boden zu regulieren, dient als Versteck und imitiert den natürlichen Lebensraum der Skolopender. Geeignetes Laub stammt beispielsweise von Buchen oder Eichen. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass das Laub an unbelasteten Stellen gesammelt wird, um eine Kontamination mit Pestiziden oder anderen schädlichen Stoffen zu vermeiden. Nach der Ernte sollte das Laub ausreichend getrocknet werden, bevor es ins Terrarium gegeben wird, um Schimmelbildung zu verhindern.
Ungeeignete Substrate #
Kokoshumus steht unter Verdacht, bei Tieren, insbesondere bei Vögeln, Nagetieren, Reptilien und auch Wirbellosen, zu Darmverschlüssen führen zu können. Kokosfasern sind unverdaulich und können sich im Verdauungstrakt ansammeln, was zu einer Blockade führt. Diese Blockaden können auch bei Skolopendern auftreten und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Des Weiteren bietet Kokos-Humus eine schlechtere Feuchtigkeitsregulation im Vergleich zu Torf. Während Torf die Feuchtigkeit effektiv speichert und eine konstante Luftfeuchtigkeit aufrechterhält, neigt Kokos-Humus dazu, bei zu hoher Feuchtigkeit schneller Schimmel zu entwickeln und bei zu wenig Feuchtigkeit schnell auszutrocknen. Diese ungleichmäßige Feuchtigkeitsverteilung kann das Mikroklima im Terrarium destabilisieren. Terrarien-Erde wird häufig mit Kokos-Humus vermischt, um kostengünstig Volumen zu schaffen und die Feuchtigkeit zu speichern. Dabei sollte jedoch Vorsicht walten: Es ist wichtig, sicherzustellen, dass keine Zusatzstoffe wie Kokos-Humus enthalten sind. Andernfalls können die negativen Auswirkungen auf Skolopender nicht ausgeschlossen werden.
Blumenerde kann aufgrund der enthaltenen Düngemittel problematisch sein. Je nach Art des Düngers können bestimmte Inhaltsstoffe gesundheitliche Schäden verursachen, insbesondere den Verdauungstrakt beeinträchtigen. Zudem enthält Blumenerde oft kompostierte Bestandteile, darunter häufig Kiefer- und Fichtenrinde. Diese können Terpene und Phenole freisetzen, die für viele Terrarientiere toxisch sind. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass die kompostierten Materialien Pestizid- und Fungizidrückstände enthalten, sofern sie nicht aus biologischer Herkunft stammen.
Feuchtigkeit #
Die Feuchtigkeit des Substrats ist ein zentraler Aspekt in der Scolopendra-Haltung. Da Hundertfüßer in unterschiedlichsten Habitaten vorkommen – von tropischen Regenwäldern bis hin zu Steppen und Wüsten – sollte bei der Feuchtigkeitsregulierung stets die Herkunft des Tieres berücksichtigt werden.
- Tropische Arten (z. B. Scolopendra alternans, Scolopendra dehaani): Diese Arten bevorzugen eine hohe Luftfeuchtigkeit. Das Substrat sollte stets leicht feucht, aber niemals nass sein.
- Arten aus trockenen Regionen (z. B. Scolopendra cingulata, Scolopendra heros): Diese benötigen eine moderate Bodenfeuchte und vertragen auch trockene Phasen gut.
Ein Feuchtigkeitsgradient im Terrarium ist empfehlenswert: Eine Seite des Behälters wird leicht feucht gehalten, während die andere trocken bleibt. So kann das Tier je nach Bedarf feuchtere oder trockenere Bereiche aufsuchen. Wichtig: Das Substrat darf nie durchnässt sein, da übermäßige Feuchtigkeit Schimmelbildung, Milbenbefall und Krankheiten begünstigt. Eine zu trockene Haltung führt hingegen schnell zu Dehydration, was besonders bei Jungtieren kritisch ist, da sie auf Schwankungen empfindlich reagieren. Unabhängig vom Herkunftsgebiet muss dem Skolopender jederzeit Trinkwasser zur Verfügung stehen. Dafür eignen sich handelsübliche Terrarienschalen, Blumentopf-Untersetzer oder kleine Behälter wie Flaschendeckel – jeweils angepasst an die Größe des Tieres. Wichtig ist, dass die Wasserquelle so gestaltet ist, dass das Tier nicht ertrinken kann.
Luftzirkulation #
Ein weiterer entscheidender Faktor ist eine gute Luftzirkulation im Terrarium: Ausreichende Frischluftzufuhr reduziert Staunässe und verhindert die oben genannten Probleme einer zu feuchten Haltung. Mangelnde Belüftung bei hoher Feuchtigkeit kann schnell Mykosen verursachen, die sich durch schwarze Verfärbungen am Körper des Tieres zeigen und lebensbedrohlich sein können. Da eine gute Luftzirkulation das Substrat schneller austrocknen lässt, sollte die Feuchtigkeit regelmäßig – idealerweise wöchentlich – überprüft und bei Bedarf nachgewässert werden.
Temperatur #
Die Temperatur spielt bei der Haltung von Hundertfüßern eine untergeordnete Rolle, da die meisten Arten bei normalen Raumtemperaturen von 22°-24°C gut gedeihen.
- Wüstenarten vertragen auch höhere Temperaturen von 25°-30°C.
- Temperierte Arten halten auch niedrigere Temperaturen aus und benötigen gegebenenfalls eine Winterruhe von mehreren Wochen bei 8°-15°C.
- Die größten Vertreter der Gattung Scolopendra sind vor allem in tropischen und wärmeren gemäßigten Zonen verbreitet.
- Arten, die zwar in der tropischen Zone vorkommen, aber dort im Hochland oder in Bergnebelwäldern leben, sind deutlich kühleren Bedingungen ausgesetzt und vertragen in der Regel keine dauerhaften Temperaturen von über 23°C.
Das Wachstum vieler Arten steigt bei höheren Temperaturen, kann jedoch durch den erhöhten Stoffwechsel auch die Lebenserwartung verringern. Eine Heizmatte am Terrarium (keine Wärmequelle von unten!) kann zusätzliche Wärme bieten, ist jedoch für die meisten Arten nicht zwingend erforderlich. Sollte die Raumtemperatur unter 22°C fallen, kann zusätzliche Wärme notwendig sein, um das Fress- und Wachstumspotenzial zu steigern.