Mitbewohner im Skolopender-Terrarium #
In einem gut eingerichteten Terrarium entsteht schnell ein kleines, selbstständiges Ökosystem. Mit Substrat oder anderem Naturmaterial gelangen häufig winzige Organismen hinein, die eine wichtige Rolle für die Bodenbiologie spielen. Sie zersetzen Futterreste, verhindern Schimmelbildung und stabilisieren das Mikroklima. Ein aktiver Bodengrund funktioniert deutlich besser als sterilisiertes Material, da die natürlichen Abbauprozesse nur durch eine lebendige Mikrofauna im Gang bleiben.
Aus diesem Grund ist es sogar sinnvoll, bestimmte Zersetzer bewusst einzusetzen. Besonders weiße Asseln und Springschwänze haben sich bewährt – dennoch sollte man darauf achten, welche Arten man einbringt, da nicht alle Asseln unproblematisch sind.
Weiße Asseln #
Weiße Asseln (Trichorhina tomentosa) gehören zu den Primärzersetzer-Arten. Sie halten sich überwiegend im feuchten Substrat auf und erscheinen schnell an der Oberfläche, sobald organisches Material anfällt. Wichtig sind dauerhafte Feuchtigkeit und eine Calciumquelle wie Eierschalen oder Sepiaschale. Unter passenden Bedingungen sind sie harmlos, effektiv und ein zentraler Bestandteil einer funktionierenden Bodenpolizei.
Andere Asseln #
Einige Asselarten – wie Porcellionides, Porcellio oder Armadillidium – gelten als opportunistische Allesfresser. In Extremfällen können sie sich sogar an frisch gehäutete oder geschwächte Scolopender wagen. Da der Hundertfüßer direkt nach der Häutung sehr verletzlich ist, sollte man solche Arten konsequent meiden, um jedes Risiko auszuschließen.
Springschwänze #
Springschwänze (Collembola) arbeiten als Sekundärzersetzer. Sie verwerten feinste Reste, fressen Pilzsporen und reduzieren Schimmel. Gleichzeitig helfen sie dabei, Milbenpopulationen zu regulieren. Für den Scolopender sind sie vollkommen ungefährlich und ergänzen weiße Asseln ideal, da beide zusammen ein stabiles, selbstregulierendes Bodensystem aufbauen.
Milben #
Milben tauchen im Terrarium häufig als natürliche Begleitfauna auf. Rote Hornmilben und viele weiße Arten wie Mehlmilben sind harmlose Resteverwerter und bleiben unproblematisch, solange das Klima stimmt.
Kritisch wird es erst bei Milben, die sich am Körper des Scolopenders anheften. Diese sogenannten phoretischen Stadien nutzen den Hundertfüßer lediglich als Transportmittel. In großer Zahl können sie jedoch belastend werden, insbesondere für junge Tiere. Solche Situationen entstehen fast ausschließlich bei dauerhaft zu hoher Feuchtigkeit, schlechter Belüftung oder einem Überangebot an Futter.
In stabil laufenden Terrarien treten häufig Raubmilben auf, die kleinere Milbenarten jagen und so das Gleichgewicht im Substrat unterstützen. Für den Skolopender sind sie vollkommen ungefährlich.
Landplanarien #
Landplanarien, meist Microplana-Arten, sind kleine Räuber oder Aasfresser. Aufgrund ihrer geringen Größe stellen sie keine Gefahr für den Scolopender dar. Sie ernähren sich gelegentlich von Springschwänzen oder sehr kleinen Asseln, sind in moderaten Mengen aber ein normaler Bestandteil der Bodenfauna.
Diplopoda / Tausendfüßer #
Einheimische Tausendfüßer siedeln sich gelegentlich im Terrarium an. Sie fressen abgestorbenes Pflanzenmaterial, wirken als zusätzliche Zersetzer und sind für den Scolopender vollkommen harmlos. Ihre leichten Wehrsekrete sind in der Terrarienpraxis normalerweise unproblematisch.
Andere Hundertfüßer #
Gelegentlich gelangen auch heimische Hundertfüßer ins Terrarium. Diese kleinen Räuber jagen Springschwänze, Asseln und andere Kleinstlebewesen. Für ausgewachsene Scolopender sind sie keine Gefahr, können aber die Populationen der Bodenpolizei spürbar ausdünnen. In geringen Mengen sind sie tolerierbar, sollten jedoch entfernt oder umgesetzt werden, wenn man auf eine stabile Mikrofauna angewiesen ist.
Schnecken #
Schnecken tauchen oft unbemerkt im Substrat auf. Die meisten Arten sind harmlose Pflanzen- oder Aasfresser und gehen nicht an lebende Scolopender. Sie können weiche Futterreste verwerten und so zur Hygiene beitragen. Bei hohem Bestand fördern sie jedoch Staunässe und hinterlassen Schleimspuren, die das Substrat verkleben. In moderaten Mengen sind sie unproblematisch, bei Überpopulation sollte man sie absammeln oder umsiedeln.
Enchyträen (Enchytraeidae) #
Diese winzigen, weißlichen Bodenwürmchen treten in feuchten Bereichen auf und zersetzen organisches Material. Sie tragen zur Bodenstabilität bei und sind vollkommen harmlos. Bei hoher Feuchtigkeit können sie sich zeitweise stark vermehren, verschwinden aber meist wieder, sobald das Terrarium etwas trockener wird.
Trauermücken (Sciaridae) #
Trauermücken zeigen sich vor allem in sehr feuchten, nährstoffreichen Substraten. Die kleinen, schwarzen Fliegen sind für den Scolopender irrelevant, die Larven fressen Pilze und Biofilm. Bei massivem Auftreten deuten sie eher auf zu viel Feuchtigkeit oder übermäßige Futterreste hin. Für den Halter können die umherfliegenden adulten Tiere allerdings recht lästig werden, da sie sich gern im Raum verteilen, wenn die Population im Terrarium hoch ist.
Mikro-/Buckelfliegen #
Mikrofliegen tauchen auf, wenn organisches Material über längere Zeit feucht bleibt. Ihre Larven verwerten weiches organisches Material, werden jedoch in funktionierenden Terrarien meist durch Springschwänze, Asseln und Raubmilben reguliert. Für den Scolopender sind sie ungefährlich und gelten eher als Hinweis auf lokale Überfeuchtung oder nicht vollständig beseitigte Futterreste beziehungsweise tote Futtertiere im Terrarium. Genau wie Trauermücken können auch die adulten Mikrofliegen für den Halter lästig werden, wenn sie aus dem Behälter heraus in den Raum gelangen.
Pilze (Makromyceten) #
Pilzwachstum ist ein natürlicher Teil eines aktiven Terrariums. Das Myzel im Substrat unterstützt die Zersetzung organischer Stoffe. Gelegentlich bilden sich kleine Fruchtkörper, die aus dem eingebrachten Naturmaterial stammen. Für den Scolopender sind Pilze völlig unbedenklich. Erst starkes, großflächiges Wachstum deutet auf zu hohe Feuchtigkeit, wenig Belüftung oder ein Überangebot an organischem Material hin. Mit etwas mehr Luftzirkulation oder leicht trockenerem Substrat reguliert sich das meist von selbst.
Schimmelpilze #
Schimmelpilze treten vor allem in sehr feuchten oder noch nicht vollständig eingespielten Terrarienbereichen auf. Sie bilden einen feinen, oft flauschigen Belag auf Futterresten, Holzstücken oder Substrat. Für den Scolopender sind sie zwar ungefährlich, gelten aber als deutlicher Hinweis auf zu hohe Feuchtigkeit, unzureichende Belüftung oder nicht entfernte Futterreste. In gut funktionierenden Terrarien verschwinden Schimmelpilze meist von selbst, da Springschwänze und weiße Asseln sie zuverlässig abbauen. Erst wenn Schimmel großflächig oder dauerhaft auftritt, sollte man die Haltungsbedingungen entsprechend anpassen.